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COME FLY WITH ME

Kritik in RAY

Jason Reitman beweist mit Up in the Air, dass er zu den originelleren Regisseuren Holllywoods zÀhlt.

Text ~ Pamela Jahn

„Who the fuck are you?“ Gute Frage, denkt sich auch Ryan Bingham, der adrette Herr im silbergrauen Anzug mit passender Haarfarbe, als sie ihm in einer explosiven Mischung aus Wut, Verzweiflung und UnverstĂ€ndnis an den Kopf geworfen wird. „Who am I?“ Doch noch im selben Augenblick prallen die Worte an ihm ab wie Wasserperlen an einem Marmorberg, hat er fĂŒr den zerknirschten, weil gerade gefeuerten Fragesteller eine ebenso standardisierte wie völlig nichtssagende Antwort parat, die ihn zĂŒgig zum nĂ€chsten Punkt im motivationsorientierten TrennungsgesprĂ€ch bringt. Denn der Mann ist auf seinem Gebiet das, was man einen Profi nennt: Ryan Bingham ist Entlassungs-Spezialist. Beeindruckende 322 Tage im Jahr fliegt er im Auftrag krisengeschĂŒttelter Unternehmen kreuz und quer durch die USA, um anstelle hasenfĂŒĂŸiger Manager deren Angestellte wegzurationalisieren, höflich, eloquent, effektiv. Und Bingham, so unverstĂ€ndlich es dem Durchschnittsarbeitnehmer scheinen mag, liebt seinen Job. Und er liebt die verfĂŒhrerische Leichtigkeit des Ungebundenseins, die ein Dasein als moderner Unterwegsmensch mit sich bringt. Entsprechend hat er sich mit seinem Nomadenleben zwischen Business Lounges und Flughafenhotelbars perfekt arrangiert und das Reisen buchstĂ€blich zu einer Kunstform entwickelt, bei der es fĂŒr ihn letztlich nur ein Ziel gibt: Er will die bei zehn Millionen Flugmeilen fĂ€llige Superplatinum-Vielfliegerkarte ergattern, die ihm in seiner Sammlung als einzige noch fehlt. Kurzum: Der Weg ist das Ziel, und so erklĂ€rt es auch Binghams watteweiche Stimme aus dem Off dem Zuschauer gleich zu Beginn des Film, entschieden, einladend, charmant: „To know me, is to fly with me.“

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www.ray-magazin.at/2010/0210/th_up.htm