Der Mediensturm – vom Ereignis zum Szenario [input 2]
Victoria Lippmann

input – Schriftenreihe zur Journalismus und PR-Forschung [2]

100 Seiten
Mai 2016
16,90 €
sofort lieferbar
ISBN 978-3-89472-984-4
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Der Mediensturm – vom Ereignis zum Szenario [input 2]

Die Katastrophenberichterstattung am Beispiel des Orkantiefs Xaver 2013

Überrascht von der Heftigkeit des Sturmtiefs Christian stellten sich die Medien 2013 auf den Orkan Xaver ein. Er wurde zum Ereignis, bevor seine ersten Ausläufer die norddeutsche Küste erreichten – und damit zum Testfall der Nachrichtenwert-Theorie. Victoria Lippmann bezieht diese Theorie auf das Gatekeeper-Konzept, das Framing-Modell und andere Untersuchungsansätze. Der empirische Teil der Studie beruht auf strukturierten Experten-Interviews mit Medienvertretern. Eingebettet in Überlegungen zur Katastrophen-Berichterstattung der Risiko-Gesellschaft, werden die Vorbereitungen der Journalisten im Fernsehen, Radio und bei der Zeitung, aber auch die Wechselwirkungen zwischen der redaktionellen Arbeit und der Online-Kommunikation geschildert. In den Fokus rückt dabei die Schnittstelle von Medienpraxis und Medienethik.

«Orkantief ‹Xaver› braut sich über Grönland zusammen und wird ab morgen in Norddeutschland für bange Momente sorgen», prognostiziert der Deutschlandfunk (DLF) und rät zur Vorsorge. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR aktuell extra) berichtet in einer «Sondersendung über die aktuelle Lage» und der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (SHZ) hält die Leser live mit dem «Sturmticker zum Nachlesen» auf dem Laufenden. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der (nord-)deutschen Berichterstattung in den traditionellen journalistischen Massenmedien am Beispiel des Orkantiefs Xaver Anfang Dezember 2013. Es war bereits der zweite Sturm innerhalb eines kurzen Zeitraumes. Schon im Oktober richtete Sturm Christian vor allem im Norden Deutschlands große Schäden an. Im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger war Xaver jedoch ein Sturm, der medial außergewöhnlich präsent war. Zeitungen, Fernseh- und Radiosender bereiteten das Thema in exklusiven Live-Schaltungen, Live-Tickern, Sondersendungen und Sonderseiten umfangreich auf. Historische Vergleiche mit vergangenen Sturmfluten, dramatische Bilder und angsterfüllende Prophezeiungen über das Ausmaß des extremen Wetterereignisses von vermeintlichen Experten sind dabei nur einige Beispiele von massenmedial präsentierten Inhalten. Auffallend war die groß aufgezogene und teils als sehr alarmierend empfundene Berichterstattung über den Sturm, bevor dieser überhaupt in Deutschland eintraf. Letztlich waren die Auswirkungen jedoch – zum Glück – nicht so heftig wie erwartet. Paradoxerweise schien sich dies teilweise in einer gewissen Enttäuschung der Bevölkerung niederzuschlagen, die entsprechend der intensiven Warnungen von Medien und Behörden stark alarmiert war.

TESTIMONIALS

„Was positiv bewertet werden kann, sind die kritischen Nutzerkommentare und Diskurse im Netz über die Berichterstattung im Nachhinein. Sie weisen auf ein zunehmendes Bewusstsein des Medienpublikums hin, sich mit der Form der Berichterstattung auseinanderzusetzen und Medienberichte nicht als bloße Übermittlung sachlicher Informationen zu verstehen.“
- Evgenya Narishnaya in MEDIENwissenschaft: Studentische Sonderpublikation 2017
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