Geld und Kino
Margrit Frölich, Rembert Hüser

Arnoldshainer Filmgespräche [26]

280 Seiten, 30 Abb.
August 2011
24,90 €
sofort lieferbar
ISBN 978-3-89472-739-0
In den Warenkorb

Geld und Kino

Arnoldshainer Filmgespräche [26]

Wie sehr das Geld die Triebfeder menschlichen Handelns ist, wird kaum irgendwo so sichtbar wie im Film. Von den Anfängen bis in die Gegenwart werden im Kino immer wieder neue Geschichten erzählt, in denen das Geld Waren, Wünsche und Personen zueinander in Beziehung setzt und Zirkulationen mit ungeahnten Folgen auslöst. Das Kino führt uns vor Augen, das Geld stets mehr ist als sein eigentlicher Wert. Es zeigt, wie das Geld mit einem Begehren besetzt ist, das sich auf etwas anderes richtet, was mit dem Geld an sich nichts zu tun hat. Diesen Zusammenhängen – dem Phantasmatischen in der Ökonomie – geht das Buch auf die Spur.
Nicht nur in thematischer Hinsicht ist die Beziehung von Kino zum Geld elementar. Die Produktionskosten eines Films sind im Vergleich zu denen anderer Medien immens. Durch ökonomische Faktoren wie auch die technischen Möglichkeiten bedingt, ist es in den letzten Jahren zu einer massiven Neudefinition des Kinos gekommen. Mussten früher nach dem Kinostart eines Films 120 Tage abgewartet werden, bevor die „Zweitauswertung“ beginnen durfte, so entfällt diese Sperre heute. Immer mehr Filme starten in den Kinos, während sie zeitgleich als „Video on Demand“ und als DVD auf den Markt kommen. Für die Filmindustrie ist das Kino kaum mehr als ein Markt für bewegte Bilder – und neben den anderen Auswertungsmöglichkeiten eines Films nicht einmal der lukrativste. Aufgrund der gleichzeitigen Präsenz eines Films in unterschiedlichen Medien misst sich die Aktualität eines Films nicht mehr allein daran, dass er in den Kinos läuft. Daraus ziehen wir den Schluss, dass als aktuell gelten kann, was gerade gesehen wird. Das heißt: wenn sich eine Gesellschaft über die derzeitige Finanzkrise im Medium des Films verständigen will, können alle Filme als relevant gelten, die für diese Frage herangezogen werden; nicht nur die Filme, die gerade im Kino laufen. In diesem Sinn ist ein Film wie "Die Austernprinzessin" (1919) genauso aktuell oder relevant wie "Wall Street 2" (2010). Diesem Aktualitätsprinzip folgt der folgende Band der Arnoldshainer Filmgespräche.
Der Band gliedert sich in zwei Teile. Im ersten wird das Verhältnis von Geld, Markt und Filmindustrie untersucht; außerdem wird die religiöse Aura des Geldes thematisiert. Der zweite, umfangreichere Teil enthält exemplarische Analysen von Filmen, die den Herausgebern und Autoren zum Thema wichtig erschienen. Dabei geht es uns nicht darum, motivgeschichtlich das gesamte Feld abzudecken oder Zeitgeschichte zu illustrieren. Unser Anliegen besteht vielmehr darin, anhand der ausgewählten Filme spezifische Fragestellungen zum Verhältnis von Kino und Geld zu entwickeln, die sich jedoch nicht notgedrungen mit gesamtwirtschaftlichen Fragestellungen decken müssen, wie sie durch die Banken- und Finanzkrise 2008 ausgelöst wurden.
Folgende Filme werden behandelt:
Ernst Lubitsch Die Austernprinzessin; Jörg Kronsbein Mikes neuer Kronleuchter; Marcel L'Herbier "L'argent" und F.W. Murnau "Die Finanzen des Großherzogs"; Amerikanische Filme der Depressionsära: "Employees' Entrance", "American Madness", "Skyskraper Souls", "Hallelujah, I'm a Bum", "Man's Castle", "Our Daily Bread" und Mervin LeRoy "Gold Diggers of 1933"; Robert Bresson "L'argent"; Martin Scorsese "Casino"; Tom Tykwer "Lola rennt", "Der Krieger und die Kaiserin", "The International"; Robert Connolly "The Bank"; Robert Bramkamp "Der Bootgott vom Seesportclub", "Gelbe Sorte" und "Beckerbillett"; Christian Petzold "Yella"; Jean-Pierre und Luc Dardenne "L'Enfant" und "Lornas Schweigen" ; Christoph Hochhäusler "Und unter dir die Stadt"
Oliver Stone "Wall Street 1" und "Wall Street 2"; JC Chandor "Margin Call"

Leseproben & Dokumente

* Alle Preise inkl. MwSt. ggfls. zzgl. Versandkosten