Realismus als Programm
Julia Schumacher

Aufblende - Schriften zum Film [18]

352 Seiten, 15 x 22 mm, einige Abb.
ersch. März 2018
34,– €
ISBN 978-3-89472-979-0
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Realismus als Programm

Egon Monk: Modell einer Werkbiografie

Egon Monk ist eine zentrale Figur der Fernsehgeschichte der Bundesrepublik. Die politisch motivierte Programmatik , die der „Brecht-Schüler“ 1960–1968 als Leiter der Hauptabteilung Fernsehspiel des NDR verfolgte, bleibt in keiner Überblicksdarstellung unerwähnt und seine Regiearbeiten gelten als wegweisend für das Fernsehspiel der Bundesrepublik; Ein Tag – Bericht aus einem deutschen Konzentrationslager 1939 (1965) ist mittlerweile zum Schulbeispiel der televisuellen Darstellung des Nationalsozialismus avanciert.
Das Buch bietet eine umfassende Neuperspektivierung der Fernseharbeit Monks und zugleich ein Modell für eine medienwissenschaftliche Werkbiografie. Diese verbindet das Oeuvre eines ‚Autors‘ mit medienhistorischen und theoretischen Fragestellungen. Als Quellengrundlage dienen sowohl Monks Fernsehspiele und –filme als auch sein Nachlass, den Julia Schumacher als erste Forscherin einsehen und systematisieren konnte. Im Zentrum ihres Buches steht die Frage nach dem ästhetischen Konzept, das Monks Regiearbeit für das Fernsehen bestimmte. Dafür nimmt die Verfasserin erstmals das Gesamtwerk des realisierten Filmschaffens aus den Jahren 1953 bis 1988 in den Blick und ergänzt dieses um die nicht-realisierten Vorhaben, die sie aus fragmentarischen Entwürfen und Notizen erschlossen hat. In aufeinander aufbauenden Einzelstudien rekonstruiert sie das Werk sowohl in seinen Bezügen zu Monks Engagement in Theater und Hörfunk als auch in seinen intertextuellen Verflechtungen – den Bezügen zu Entwicklungen der inter/nationalen Filmästhetik, als Reaktion auf kulturgeschichtliche Kontexte, sowie im Hinblick auf die theoretischen Konzepte, die der Gestaltung zugrunde liegen.
Den Fluchtpunkt ihrer Analysen bildet das bislang wenig erörterte Problem des realistischen Erzählens und Darstellens im Fernsehen. Durch die frühe prägende Arbeit am Berliner Ensemble ist der Begriff des Realismus für Monk politisch-programmatisch besetzt. Ebenso knüpft er an Brechts Idee der Verfremdung an, während ihn die wachsende und verändernde Medienumgebung veranlasste, immer wieder neu nach ästhetischen Lösungen zu suchen, um diesen Effekt zu provozieren. Daher bietet die Analyse der Ästhetik Monks auch einen anschaulichen Zugang zur Mediengeschichte der Bundesrepublik.

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