Andres Veiel
Claudia Lenssen
320 Seiten, einige Abb.
März 2019
28,– €
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ISBN 978-3-89472-717-8
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Andres Veiel

Streitbare Zeitbilder

Andres Veiel ist einer der bekanntesten Regisseure und Stückeschreiber der Gegenwart. Seine Filme haben viel zur wachsenden Aufmerksamkeit für den Dokumentarfilm jenseits stereotyper Formate beigetragen. Als Psychologe setzt der 1959 in Stuttgart geborene Filmemacher auf die Präsenz seiner Protagonisten und das Potential kritisch-empathischer Gespräche mit ihnen, als Schüler des polnischen Meisterregisseurs Krzysztof Kieślowski auf die kinematografische Qualität imaginativer Leinwandmomente. Andres Veiel gelang eine für einen Dokumentarfilmer ungewöhnliche Karriere, die zudem unverkennbar auch von dem Impuls getragen ist, Kunst als Anstoß zum gesellschaftlichen Diskurs zu verstehen.
Jeder seiner Filme ein Solitär, spiegeln sich in ihnen doch zentrale Leitmotive wider, etwa die Auseinandersetzung mit struktureller Macht, Gewalt und Hybris. Seine Generationenporträts Die Überlebenden und Die Spielwütigen erzählen vom existentiellen Risiko des Erwachsenwerdens in der Leistungsgesellschaft. Wer, wenn nicht wir, die fiktive Biografie von Gudrun Ensslin und Bernward Vesper, Veiels erstem Spielfilm, lotet die innere Abhängigkeit der RAF-Generation von den Mustern ihrer vom NS geprägten Eltern aus. Black Box BRD, sein bekanntester Film, stellt die Welt des Bankmanagers und RAF-Opfers Alfred Herrhausen der des RAF-Terroristen Wolfgang Grams gegenüber und öffnet angesichts globaler Krisen den Blick auf die abgeschottet agierende Kaste der Investmentbanker – ein Stoff, den Veiel in dem Theaterstück Das Himbeerreich äußerst erfolgreich weiterentwickelt hat. Der Kick, eine minimalistische Theaterperformance und deren Verfilmung verdichten reale Aussagen und Reflexionen über einen brutalen Mordfall unter Jugendlichen zu einem beunruhigend exemplarischen Bild der Nachwendezeit.
Mit Joseph Beuys, seinem bei der Berlinale 2017 uraufgeführten Porträt des Künstlers, kehrt Andres Veiel zur Kernfrage seines Werks zurück. Was tragen Theater, Film und Kunst, wie Beuys sie vertrat, zur Veränderung verkrusteter gesellschaftlicher Verhältnisse bei?

„Welche Zukunft?“, Andres Veiels neues Theaterprojekt, das im September 2018 im Deutschen Theater Berlin Premiere feiern wird, stellt die Leitmotive seines Werks in einen neuen Zusammenhang. Ausgehend von Workshops mit Expertenteams und 200 Beteiligten entwickelte der Regisseur Prognosen, Thesen und Szenarien für das Jahr 2028. Sein Stück wird sich in Form einer fiktiven „Wahrheitskommission“ mit der Frage auseinandersetzen, welche Probleme die Gesellschaft heute anpacken müsste oder aus der Zukunftsperspektive hätte anpacken sollen, um Krisen und Kollaps zu verhindern.
Das Buch begleitet die Entstehung dieses neuen Stücks.


Claudia Lenssen stellt Werk und Wirkung von Andres Veiel anhand eines monografischen Textes, eines Gesprächs mit dem Künstler und ausführlichen Materialien vor

Inhalt:
Das Buch ist die erste Gesamtschau der Filme und Theaterarbeiten des Regisseurs und Theaterautors Andres Veiel. Ausgehend von seinen frühen Theaterversuchen als Psychologe in einer Berliner Vollzugsanstalt, untersucht die Autorin in Einzelanalysen seine Stoffe, seine vom Dokumentarkino wie vom Theater inspirierten Gestaltungsmittel, verortet sie im aktuellen internationalen Dokumentarfilm und hinterfragt die biografischen, politischen und kulturellen Aspekte seiner Themen.

 

TESTIMONIALS

„Der Filmjournalistin Claudia Lenssen gelingt auf 320 Seiten ebenso spannende wie informative Einblicke in das umfangreiche Werk Veiels, wobei sie nicht nur die künstlerischen Erzeugnisse an sich, sondern auch deren Genese in den Blick fasst.“

Oliver Stangl, Ray, 05/2019

„Claudia Lenssen beschreibt seine Ursprünge, seine Filme und seine Karriere sowie seine enge Verknüpfung mit dem Theater. Laut Lenssen verschränken sich in seinem persönlichen Gesamtwerk Geschichtsbilder, Zeitdiagnosen und persönliche Momentaufnahmen seiner Figuren und Protagonisten.“

Michael Lausberg, 25.05.2019

„Die Werkanalyse von Claudia Lenssen macht deutlich, wie komplex und reflektiert er im Film und auf der Bühne arbeitet, wie intensiv er recherchiert und welche Bedeutung das Publikum für ihn hat, für ihre Darstellung sucht er nach eigenen Formen, die von der Autorin sehr differenziert beschrieben werden.“

Hans Helmut Prinzler, hhprinzler, 02.05.2019

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