Film als Raumkunst
Henning Engelke, Ralf Michael Fischer, Regine Prange

Marburger Schriften zur Medienforschung [23]

368 Seiten, 200 Abb., 148 x 210 mm
April 2011
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ISBN 978-3-89472-725-3
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Film als Raumkunst

Historische Perspektiven und aktuelle Methoden

Die Auseinandersetzung mit filmischer Raumkonstruktion zieht sich wie ein roter Faden durch die Theoriegeschichte des Films. Bereits 1916 entwarf Hugo Münsterberg ein Modell filmischer Darstellungsformen in räumlichen Begriffen. Von den klassischen Filmtheorien Rudolf Arnheims, Béla Balázs’, André Bazins oder Siegfried Kracauers, über die semiotisch-psychoanalytischsche Ideologiekritik der 1970er Jahre bis hin zu phänomenologischen Ansätzen oder Gilles Deleuzes philosophischer Kinotheorie bildete der Raum einen zentralen Aspekt filmtheoretischer Diskurse. Zudem hat sich die Theorie des Kinos nicht selten räumlicher Bilder bedient, wenn etwa das Höhlengleichnis aus Platos Politeia herangezogen wurde. Paradoxerweise geriet in der aktuellen Film- und Medienwissenschaft der wesentliche Aspekt des filmischen Raums als ästhetischer Raum in den Hintergrund, sahen doch weder die dominanten visual culture studies noch die Forschungsperspektiven des spatial turn einen differenzierten Begriff des Ästhetischen bzw. eine historische Theorie der Kunst vor. Mit der gängigen Vorstellung vom Film als einem Element übergreifender politischer und sozialer Topographien verschwammen – neben dem unbestrittenen kulturtheoretischen Erkenntnisgewinn – zunehmend die Grenzen zwischen unmittelbar lebensweltlichen und ästhetischen Formen und somit auch die Grundbedingungen zur Reflexion ihrer gegenseitigen Wechselwirkungen.
Der Band Film als Raumkunst greift die fruchtbaren Ansätze der älteren Forschungstradition wieder auf und setzt sie zugleich kritisch in Beziehung zu den neueren Richtungen. Auf dieser Grundlage eröffnen sich neue Perspektiven für eine Auseinandersetzung mit kinematographischer Räumlichkeit auch im Rahmen einer kunsthistorischen Bildwissenschaft. Neben den historischen Erscheinungsformen und theoretischen Implikationen filmischer Raumkonstruktion thematisieren die Beiträge des Bandes methodische Voraussetzungen einer kunsthistorischen Filmanalyse in der Auseinandersetzung mit den Disziplinen Film- und Medienwissenschaft, Literaturwissenschaft, Philosophie und Musikwissenschaft. Eine solche multiperspektivische Untersuchung filmischer Raumkonstruktion soll produktive Impulse für die längst überfällige Zusammenschau und vergleichende Betrachtung populärer wie hochkünstlerischer Bildphänomene setzen. In der Verbindung von Raumkonzepten der Filmwissenschaft und der Kunstgeschichte erschließen sich innovative methodische Ansätze nicht nur für die Analyse von Filmen, sondern auch für die Untersuchung der Neuen Medien. Die Fallstudien und theoretischen Untersuchungen des Bandes reichen vom frühen Film bis hin zu den Ästhetiken von Videospielen und computergenerierten Bildern, die narrativen Raumkonstruktionen des Spielfilms werden ebenso berücksichtigt wie Positionen von Filmavantgarde und Videokunst.

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